ACTIEN-BAUVEREIN „PASSAGE“

Gründeraktie Actien-Bauverein Passage

Aktie (Gründeraktie) über 100 Thaler Preuss. Cour., 26,5 cm x 34,4 cm, umgestempelt auf Reichsmark, mehrere Bezugsrechtstempel, stempelentwertet vorderseitig „Aktienumtausch … 1992“
Berlin, 1. Juli 1870, # 12341 umgewandelt in # 03750

Abb. Innenansicht der Kaisergalerie nach einem Entwurf des Illustrators Ludwig Burger.
Auflage: 20.000 St.

Ausschnitt aus der Gründeraktie mit Stempel "Aktienumtausch 1992"

Da die AG bei Kriegsende einen schwedischen Großaktionär hatte, überlebte sie sogar mehr oder weniger unbeschadet die DDR-Zeit und wurde 1991 reaktiviert. Die meisten der alten Aktien wurden in DM-Aktien umgetauscht. Lange wurde um die Rückgabe der wertvollen Grundstücke an der Friedrichstraße gestritten, auf denen in den 1980er Jahren das Grand Hotel gebaut worden war. Der Bundes-Finanzminister setzte jedoch eine entschädigungslose Enteignung in wenigen Jahren durch, was die SED der DDR in vier Jahrzehnten nicht geschafft hatte.



ACTIEN-BAUVEREIN „PASSAGE“

Aktie Actien-Bauverein Passage

Aktie über 100 DM, DIN A 4 hoch, ohne Kupons, stempelentwertet „Aktienumtausch … entwertet 1993 …“ vorderseitig
Berlin, September 1992, # 13026

Abb. Schmucklose Gestaltung mit Originalunterschriften.
Auflage: 1.000 St.

ACTIEN-BAUVEREIN „PASSAGE“ (AKTIENGESELLSCHAFT VON 1870)

Aktie Actien-Bauverein Passage

Aktie über 50 DM, DIN A 4 quer, kompletter Kuponbogen Nr. 1-20 (inkl. Erneuerungsschein), nicht entwertet
Berlin, Juni 1993, # 005507

Abb. in der Gestaltung ist die Aktie an die Gründeraktie angelehnt. Die beiden Vignetten zeigen die Ecke Friedrichstraße⁄Behrenstraße damals (mit dem Eingang der Kaisergalerie) und heute (mit dem Grand Hotel).
Auflage: 12.500 St.
dito Muster, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, lochentwertet, # ohne Nummer
dito perforiert „Muster“, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, ohne Kupons, lochentwertet, # ohne Nummer

Aktie über 50 DM, DIN A 4 quer, Kuponreste Nr. 2-20 (inkl. Erneuerungsschein), nicht entwertet
Berlin, Dezember 2000, # 012516

Abb. in der Gestaltung ist die Aktie an die Gründeraktie angelehnt. Die beiden Vignetten zeigen die Ecke Friedrichstraße⁄Behrenstraße damals (mit dem Eingang der Kaisergalerie) und heute (mit dem Grand Hotel).
Auflage: 12.500 St.
dito Muster, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, lochentwertet, # ohne Nummer

Die Wertpapiere stammen aus meiner Sammlung und sind unverkäuflich.
In dieser Auflistung fehlende Papiere besitze ich noch nicht, gerne erwarte ich Ihre Angebote.
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Unternehmensgeschichte

Gründung

1869 gründete Bankier Heymann ein Konsortium zur Finanzierung des Unternehmens Passage.
Fünf Monate vor Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges wurde der Actien-Bauverein „Passage“ gegründet. Zweck war der Erwerb von Grundstücken und Gebäuden in Berlin sowie deren Verwertung und Ausnutzung. Damit handelte es sich um eine der typischen Gründer- und Bauspekulationsgesellschaften, die oft nur über ein einziges Grundstück verfügten. Das Kapital betrug 6.000.000 Mark in Aktien zu 100 Thaler (=300 Mark). Man erwarb zu enormen Preisen die Grundstücke Unter den Linden 22-23, Friedrichstr. 163-164 und Behrenstr. 50-52. Auch Wilhelm II. soll sich ein Aktienpaket zugelegt haben.
Eingetragen wurde der Actien-Bauverein „Passage“ in das Handelsregister des königlichen Stadtgerichtes unter der Nummer 3072.
Am 01.07.1870 wurden die Aktien an der Berliner Börse ausgegeben.

Alte Aktie des Unternehmen

Nutzung

Kaiser Wilhelm II. persönlich eröffnete die „Kaisergalerie“, die am 19.03.1873 errichtet wurde. Sie lag zwischen dem Boulevard Unter den Linden und der Friedrichstraße. Am Geburtstag des Kaisers wurde die Passage auch für das Publikum freigegeben. Ein Großteil der Läden war vermietet, außer den oberen Geschoßen, die noch lange unbenutzt waren.
Erbaut im Renaissance-Stil mit Türmchen und Giebeln, 127 m lang, 8 m breit und 15 m hoch, war die Kaisergalerie „die“ Besucher-Attraktion in Berlin. Das Material bestand aus Sandstein mit Ziegelverblendung und Terracotta-Verblendung. Im Stile der Neo-Renaissance fand es Anklang sowohl an französische, wie auch italienische Vorbilder. Fast überfüllt waren die Wände mit Skulpturen der Bildhauer Afinger, Enke, Wittig und Calandrelli. Innen wurde der dreigeschossige Bau von einer hohen Glaskuppel überdacht und bot etwa 50 Geschäften Platz. Sowohl innen wie außen zeigten sich in den oberen Stockwerken große Fensteröffnungen mit Doppelbögen über jedem Fenster. Außen stellte sich der Bau palastähnlich dar mit Türmchen und Säulen.
Wirtschaftlich war der Kaisergalerie zunächst nur ein mäßiger Erfolg beschieden. Enorme Leerstände der Läden in der Passage und glücklose Ausflüge ins Hotel- und Restaurant-Geschäft brachten sie mehrfach an den Rand des Ruins, obwohl sogar das Panoptikum und das Wachsfiguren-Kabinett der Brüder Castan als Mieter gewonnen werden konnten. Der Grundbesitz in allerfeinster Lage von Berlin machte ca. 5.100 qm aus.
Am 01.06.1889 wurde durch den Beschluss der Generalversammlung das Passage-Panopticum mit dem Actien-Bauverein vereinigt. Das neue Aktienkapital der Gesellschaft betrug 5.100.000 Mark in 15.000 Aktien.
1896 tauchte der Maler Arthur Fischer, später Hofporträtmaler, zum ersten Mal als Mieter in der Passage auf. Er blieb in ihr bis zu ihrer Zerstörung und wurde zu ihrer populärsten Figur. Nach ersten künstlerischen Anfängen etablierte er eine förmliche Porträtfabrik, die zeitweilig über 20 Angestellte beschäftigte. Die Arbeit unter den Angestellten wurde so verteilt, dass einer die Augen, ein Zweiter die Haare, ein Dritter die Kleidung usw. übernahm. Fischer wechselte die Räume, zog häufig innerhalb der Passage um, hatte im Nebenhaus auf dem Dach ein großes Atelier und im Eingang der Passage Ausstellungsräume.
1901 eröffnete das Passage-Theater im Panoptikum. Das Programm war eine Mischung aus Variété und Vorführung von Kuriositäten und Erfindungen. Später wurden dem Variété das Linden-Cabaret und das Biercabaret angegliedert. Alle Berühmtheiten der damaligen Zeit traten dort auf.
Während der Weltwirtschaftskrise sowie in den Jahren davor und danach waren zahllose, kurzlebige Mietparteien in der Passage.

Nach dem Umbau

In den Jahren 1930-1931 fand ein radikaler Umbau der Passage statt. Im Herbst 1930 begannen die Umbauarbeiten, im Januar 1931 war die Glaskuppel fertig. 1933 wurden im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms weitere Umgestaltungen vorgenommen.
1933 hatte es der schleppende Eingang des Mietzinses mit sich gebracht, dass die Außenstände beträchtich gestiegen waren. Im folgenden Jahr musste man bereits einen Verlust von fast 150.000 RM ausweisen.
In der „Reichskristallnacht“ wurden die jüdischen Geschäfte in der Passage zerstört, Luxuswarengeschäft Nasch, Fotograf Richheimer, Juweliere Feldmann & Lesnik, Gelegenheitskäufe Freudenstein, Herrenartikel Brunell und Gododecki, der ein koscheres Restaurant in der Passage betrieb.

Zerstörung

Die Passage wurde beim 1. Luftangriff auf Berlin bis auf einen kleinen Rest zerstört.
Nach dem 2. Weltkrieg kamen die Russen und der Grundbesitz der Passage in Berlin, Unter den Linden, wurde Volkseigentum. Da die Gesellschaft bei Kriegsende angeblich einen schwedischen Großaktionär hatte (Svenska Tändsticks AB), überlebte sie sogar mehr oder weniger unbeschadet die DDR-Zeit und wurde 1991 wieder reaktiviert. Die meisten der alten Aktien wurden in DM-Aktien umgetauscht. Um die Rückgabe der wertvollen Grundstücke an der Friedrichstraße wurde nun gestritten. Die Blütenträume der „Passage“ gingen jedoch nicht auf, vermeintliche „Rechte“ waren nicht durchzusetzen. Später entstand dort das Grand Hotel als Flaggschiff der ehemaligen Interhotel-Gruppe.

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